Update Fifa Korruptions Skandal:
FIFA-Bestechungsvorwürfe WM 2022 für 20 Millionen Dollar gekauft?
Am Dienstag könnte die Bombe platzen. Ein früherer FIFA-Mitarbeiter will über Korruption im Fußballverband berichten. Für die Vergabe der WM 2022 an Katar sollen 20 Millionen Dollar geflossen sein.
Bestechung in Millionenhöhe, Machtmissbrauch, eine mysteriöse E-Mail, und nun rollt auch noch der angekündigte Tsunami auf den Fußball-Weltverband FIFA zu: Nach SID-Informationen findet am Dienstag (14.00 Uhr) im Züricher Nobelhotel The Grand Dolder eine Pressekonferenz statt, auf der vier Exekutivmitglieder beschuldigt werden, für die umstrittene Vergabe der Weltmeisterschaft 2022 an Katar insgesamt 20 Millionen Dollar an Bestechungsgeldern kassiert zu haben. Ein ehemaliger FIFA-Offizieller will dabei die Namen der vier Mitglieder nennen. Zudem sollen Dokumente und Bankkonten veröffentlicht werden, die die Geldflüsse beweisen sollen.
Bei den Beschuldigten soll es sich um Issa Hayatou (Kamerun), Nicolas Leoz (Paraguay), Julio Gordona (Argentinien) und Rafael Salguero (Guatemala) handeln. Damit gerät der 61. FIFA-Kongress in Zürich zunehmend zur Farce. Joseph S. Blatter bläst nach dem Triumph über seinen abservierten Widersacher Mohamed Bin Hammam in der größten Schlammschlacht der FIFA-Geschichte ohnehin weiter eiskalter Wind ins Gesicht. Doch trotz aller neuen Vorwürfe scheint die Wiederwahl des allmächtigen Präsidenten am Mittwoch beim 61. Kongress des strauchelnden Fußball-Weltverbandes in Zürich sicher - sollten seine Rivalen nicht noch zum entscheidenden Gegenschlag ausholen.
"Blatter muss gestoppt werden"
Bin Hammam zumindest will sich seine Suspendierung durch das FIFA-Ethik-Komitee nicht bieten lassen und Einspruch einlegen. "Diese Entscheidung hat mit rechtsstaatlichen Prinzipien nichts zu tun. Ich werde bestraft, bevor ich schuldig gesprochen bin. Und ich befürchte, dass auch die weiteren Ermittlungen beeinflusst und manipuliert werden." Was die Gegner Blatters am Montag ansonsten vorbrachten, beschmutzte das Ansehen des Schweizers zwar weiter, beweiskräftig war es aber auch nicht.
Der am Sonntag gemeinsam mit Bin Hammam suspendierte FIFA-Vize Jack Warner behauptet, Blatter habe Warners Verband auf dem CONCACAF-Kongress im Mai in Miami "eine Spende von einer Million Dollar (knapp 700.000 Euro) zur freien Verwendung" überreicht. Auf den Protest des UEFA-Präsidenten Michel Platini, das Finanzkomitee habe keine Zustimmung für diese Zahlung erteilt, soll FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke laut Warner gesagt haben, er werde schon "Geld für Blatter finden". Der Nachrichtenagentur Reuters sagte Warner: "Blatter muss gestoppt werden."
Mail deutet Bestechung an
Platini sagte am Montag lapidar, seine Entrüstung gegenüber Blatter sei scherzhaft gemeint gewesen, und verwies auf ein privates Präsidenten-Budget, mit dem Blatter "ein oder zwei Projekte" unterstützen könne. Erst im Nachhinein müsse das Exekutiv-Komitee zustimmen. Das Ethik-Komitee, das Blatter am Sonntag von allen Vorwürfen freigesprochen hatte, wurde von Warner als "korruptes Gericht" bezeichnet, dessen Mitglieder "von Blatter handverlesen" seien. Zudem legte Warner eine angeblich von Valcke versandte E-Mail vor, in der dieser behauptete, Katar habe die WM 2022 "gekauft".
Das Organisationskomitee des Emirats wies am Montag alle Vorwürfe zurück und schließt rechtliche Schritte nicht aus. "Wir erwarten dringend Aufklärung durch die FIFA bezüglich der Stellungnahme ihres Generalsekretärs. In der Zwischenzeit werden wir uns rechtlich beraten lassen, um unsere Optionen zu prüfen." Die Mail könnte Valcke anscheinend tatsächlich in Schwierigkeiten bringen, Blatter jedoch offenbar nicht. Valcke bezeichnete die Mail am Montag in Zürich als "echt", allerdings auch als "privat" und nahm seinen Boss damit vorab aus der Schusslinie. Man werde über das Schreiben diskutieren, so Valcke.
Zieht Katar seine Bewerbung zurück?
Wie verzweifelt Warner im Kampf gegen Blatter sein muss, lässt eine Aussage vermuten, die der Funktionär aus Trinidad und Tobago gegenüber Reuters-Journalisten bei der Präsentation der vermeintlich belastenden E-Mail tätigte: "Sie müssen mir nicht glauben, Sie müssen mich nicht mögen, niemand muss mit mir essen oder schlafen, aber Jesus Christus: Erkennen Sie die Wahrheit, wenn Sie sie sehen!" Wenig überzeugend kündigte er weitere Enthüllungen an: "Ich werde bald sehr viel mehr zu dieser Sache sagen."
Dass Katar die WM 2022 noch aberkannt werden könnte, scheint nicht ausgeschlossen, obwohl eine derzeit beliebte Verschwörungstheorie dagegen spricht: Demnach hat Blatter seine Beziehungen zum katarischen Königshaus spielen lassen und diesem weitere WM-Unterstützung zugesagt, sollte Bin Hammam seine Bewerbung zurückziehen - was er am Sonntagmorgen getan hat. Blatter sagte am Montag zunächst nichts und bat für den Abend im FIFA-Hauptquartier zu einer Pressekonferenz. Zuvor hatte er nicht mehr als ein karges Statement zur Entscheidung des Ethik-Komitees abgegeben, "die ich nicht im Detail kommentieren will". Er bedauere, was passiert sei: "Das Image der FIFA hat dadurch großen Schaden genommen."
(SID, N24)
30.05.2011 18:43 Uhr
Geändert von Ezio (30.05.11 um 20:49:29 Uhr)
Grund: ^^